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Frau Greding schrieb per Fax:
"Als ich zur Kur in den Hänslehof kam, stand ich voll unter Stress. Meine Kinder waren 3 und 9 Jahre alt, ich habe mindestens 30 Std./Woche gearbeitet und war völlig fertig. Mit meinem Mann hatte ich viel gestritten und meine Kinder wurden ab Mittag von meiner Mutter betreut. Sie hat viel in meine Erziehung hinein geredet. Ich kann nicht sagen, dass mein Mann mich im Haushalt nicht unterstützt hat, es war halt alles zu viel. Ich wollte möglichst weit weg von zu Hause, damit niemand zu Besuch kommen konnte. Bloß keinen sehen ...
Wir sind mit dem Zug gefahren und wurden von einem netten jungen Mann abgeholt. Als wir ankamen, warteten schon die ersten im Aufenthaltsraum bei Kaffee und Keksen. Wir waren ziemlich erschöpft und wollten auf´s Zimmer. Hier hatte ich das erste Mal das Gefühl der Entspannung: es waren zwei große Räume, zwei Balkons und zwei Badezimmer, also schön viel Platz. Zum Essen hatten wir ein Büffet mit reichlich Auswahl.
Am nächsten Morgen hatten wir ein Gespräch mit einer Ärztin und wurden gründlich untersucht. Mir hat besonders gefallen, dass dieses Gespräch so persönlich war. Wir haben über alle Möglichkeiten der Entspannung gesprochen und endlich mal mich in den Vordergrund gestellt. In der Vergangenheit ging es immer nur um Familie, Kinder, Arbeit, Haushalt. Endlich ging es mal um mich. Mir war klar, wie sehr mir das gefehlt hat. Meine Kinder wurden bestens in den Gruppen versorgt, sie fanden schnell Anschluss. Außerdem gab es ein schönes Hallenbad, das jeden Mittag eine Stunde lang nur für die Kinder offen war. Dort war ein Erzieher für die Aufsicht zuständig. Ich hatte die Möglichkeit morgens zum Walking, Gymnastik, Wassergymnastik. Außerdem konnte ich Basteln, Vorträge besuchen und an Gesprächskreisen zu verschiedenen Themen teilnehmen. Viel Information gab es auch zur Kindererziehung. Die verordneten Hauptanwendungen waren Massage, Fußreflexzonenmassage, Fango, Krankengymnastik und Tiefenentspannung.
Neben den vielen Anwendungen gab es auch eine psychologische Begleitung. Behutsam wurde angefragt, was mich am meisten belastet. Ich ging sofort auf Abwehr: Ich wollte weder meinen Mann noch meine Arbeit verlieren. Beides bedeutete mir sehr viel. In langen Gesprächen stellte sich heraus, das ich wirklich Probleme habe: meine Eltern lassen mich nicht selbständig werden. Ich brauchte meine Arbeit, um mir zu beweisen, das ich was leisten kann. Ich brauchte meinen Mann und meine Kinder um zu spüren, das ich nicht allein bin.
Allein wäre ich nie darauf gekommen, wie sehr meine Eltern mich beeinflussen und mein Leben stören. Mein ganzes Denken war darauf fixiert, den Ansprüchen meiner Eltern zu genügen. Fast hätte sich mein Mann von mir getrennt.
Das zu begreifen war sehr schwer und ohne die gute Betreuung meiner Kinder und sämtlicher Mitarbeiter des Hänslehof, angefangen bei der netten Frau Herr im Speisesaal bis hin zu Frau Seele, der Psychologin, wäre ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich fühlte mich von meinen Eltern beschützt und wurde doch nur benutzt. Das musste ich erst begreifen. Frau Dr. Costisevschi hat mir geraten, die Kur um eine Woche zu verlängern. Somit habe ich auch die vierte Woche in Kur in Anspruch genommen.
Die Lehrerin meines Sohnes machte mich darauf aufmerksam, wie verunsichert mein Sohn ist. Er muss ziemlich unter den Anspannungen gelitten haben. Meine Mutter hat ihm jeden Wunsch erfüllt. Gleichzeitig hat er die Kritik meiner Eltern an mich bewusst erlebt. Seine schulischen Leistungen haben darunter gelitten.
Da das Kurhaus eine Einrichtung für Mütter und Väter ist, besteht die Möglichkeit, auch Väter mit auf zu nehmen. Mein Mann hat sich kurzfristig Urlaub genommen und die letzte Woche mit uns verbracht. Hier hat es auch gemeinsame Gespräche mit der Psychologin gegeben. Letztendlich hat die Kur mein ganzes Leben verändert. Wieder zu Hause angekommen, haben wir die Verbindung zu meinen Eltern abgebrochen, das Elternhaus meines Mannes verkauft (es lag in direkter Nähe zu meinen Eltern) und sind in einen anderen Ort gezogen.
Das ist jetzt drei Jahre her. Ich arbeite nur noch 20 Std./Woche, betreue meine Kinder ab Mittag selbst und streite mich nur noch selten mit meinem Mann. Wir verstehen uns sehr gut, erleben unsere Freizeit gemeinsam und mir ist meine Ehe wichtiger als Arbeit und Bestätigung. Auch Freunde und Bekannte bemerken, dass ich gelassener bin und nicht mehr so "herrschsüchtig". Es geht uns wieder gut.
Den Kuraufenthalt im Hänslehof werde ich nie vergessen ... Ich bekam sogar nach 14 Tagen einen Anruf. Meine Psychologin fragte im Auftrag der Heimleitung nach, ob es mir gut geht oder ob ich noch Hilfe brauche. Das fand ich super nett.
Nach zwei Jahren habe ich erneut eine Kur eingereicht. Sie wurde auch genehmigt. Mein Mann hat einen Kururlaub eingereicht und wir sind zusammen zum Hänslehof gefahren. Diesmal habe ich die Anwendungen, das kreative Basteln, die Sauna, das Schwimmbad, das gute Essen und natürlich das nette Personal ganz besonders genossen. Ich wusste ja, was mich erwartet. Natürlich konnten wir die Anwendungen und Gespräche auf die letzte Kur abstimmen. Der Lehrerin sind die gewaltigen Fortschritte aufgefallen, die mein Sohn gemacht hat. Er ist heute viel ausgeglichener und kommt in der Schule besser zurecht."


